25 Jahre gemeinsame Radetappenfahrten von Nauroder und Fondetter Radfahrern - Reise in das Vallée du Lot vom 29. Mai bis 7. Juni 2026

14.06.26

Auf Initiative der Fondetter Mountainbiker fand im Jahr 2001 die erste Begegnung zwischen den Nauroder und den Fondetter Radfahrern statt: Die Fondetter besuchten vom 28.4. bis 1.5.2001 erstmals per Rad die deutsche Partnerstadt. Im Jahr darauf folgte ein Gegenbesuch der Nauroder Rennradfahrer in Fondettes. Um Abwechslung in die gemeinsamen Fahrten zu bringen, wurden schon bald darauf erste gemeinsame Radreisen in Deutschland bzw. Österreich und in Frankreich organisiert. Im Laufe der Jahre summierten sich zahlreiche gemeinsame Ausfahrten, in denen die jeweiligen Gäste ihr Partnerland gemeinsam mit den Gastgebern entdecken konnten.

Nach einem inzwischen etablierten Rhythmus von zwei Jahren wurde die diesjährige Fahrt von den Fondetter Freunden organisiert – sie führte in das Vallée du Lot im Südwesten Frankreichs. Die Region ist weniger bekannt, verdient dank ihrer Kalksteinplateaus (Causses), der zahlreichen tief in die Felsen eingeschnittenen Täler und vieler kulturhistorisch bedeutsamer Stätten aber unbedingt Aufmerksamkeit.

Zu Beginn der Tour trafen sich 20 Fondetter und 12 Nauroder am 30. Mai in Millau – der Stadt mit dem bekannten Viadukt auf dem Weg an das Mittelmeer - auf einem Campingplatz mit Pool und allen Annehmlichkeiten, die man sich bei 32 Grad im Schatten nach einer langen Anfahrt wünschen konnte. Eine schöne Überraschung war das abendliche Freiluftkonzert zweier Künstler, die spanisch-lateinamerikanische Songs präsentierten und noch während des Abendessens zum Tanzen anregten.

Pünktlich wie immer startete die Tour am nächsten morgen um 9:00 Uhr. Gleich am ersten Tag waren auf nur 58 km Gesamtlänge ein rund 7 km langer Anstieg und insgesamt rund 1.000 Höhenmetern zu bewältigen, um vom Tal des Tarn in das Tal des Lot bis nach Banassac zu kommen.

44. REF 2026-Val du Lot_Ufer des LotZunächst dem Tal des Lot folgend ging es am darauffolgenden Tag landschaftlich ausgesprochen reizvoll weiter. Dabei zeigte sich einmal mehr, dass sogenannte Fluss-Radwege nicht immer direkt am Fluss entlangführen, sondern ihn durchaus auch aus großer Höhe begleiten können. Preis für die erarbeiteten Höhenmeter sind dann oft spektakuläre Aussichten, die alle Mühe wert sind. Daneben lagen aber auch reizvolle Orte am Wege, wie z.B Saint-Geniez-d’Olt, und immer wieder kreuzte die Pilgerroute nach Santiago de Compostela den Weg der Radler.

Die Nacht verbrachten die Radfahrer in einer außergewöhnlichen Unterkunft: Das Couvent de Malet in St. Côme d’Olt ist eigentlich eine Unterkunft für Pilger auf dem Jakobsweg, gewährt aber auch weltlich orientierten Gruppen Übernachtungen. Allerdings mussten – als Prävention vor einem Befall mit Wanzen – vor Betreten des Gebäudes und dem Bezug der Zimmer die Schuhe im Eingangsbereich abgestellt und das Gepäck bis auf das für die Nacht benötigte Minimum im Keller verstaut werden. Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hatte, verbrachte die Gruppe einen wundervollen Abend im Kloster. Wie es die Pilger tun, konnten auch die Radfahrer ihre Füße in den bereitgestellten Wannen kühlen.

44. REF 2026-Val du Lot_EspalionDie 3. Etappe führte weiter am Lot entlang nach Espalion und Estaing – eine der vielen „Les plus beaux villages de France“, die sich gerade in dieser Gegend häufen – bis nach Entraygues-sur-Truyere. Der folgende Tag war die Strecke betreffend mit verhältnismäßig wenig Höhenmetern entspannt, hatte mit dem Besuch der Stadt Conques aber mal wieder einen städtehistorischen Höhepunkt, den sich die Radfahrer dann aber doch hart erarbeiten mussten. Wie so viele andere Städtchen auf dieser Tour ist auch Conques mit dem Label der schönsten Dörfer Frankreichs ausgestattet. Über einen weiteren Aussichtspunkt bei Capdenac le Haut erreicht die Gruppe am Abend Figeac. Was soll man sagen, auch hier lohnt der Besuch unbedingt!

Nach einem lauen Abend in der Stadt schlug das Wetter allerdings um und die letzte Etappe bis Cabrerets fuhr die Gruppe durch den Dauerregen ohne Pause 50 km bis zum Hotel.  Dort hieß es, nasse Sachen trocknen, warm werden und warten, bis die Zimmer bezogen werden konnten. Zum Trost gab es am Nachmittag eine spontan organisierte Weinprobe.

Cabrerets - am Zusammenfluss der Täler von Sagne und Célé im Regionalen Naturpark Causses du Quercy gelegen - war der ideale Ausgangspunkt für weitere Erkundungen per Rad und zu Fuß: ein Mittagessen bei Mémé du Quercy, ein Besuch in St. Cirq-Lapopie – einmal mehr eine der hundert schönsten Dörfer Frankreichs – sowie ein Besuch der Höhle von Pech-Merle mit authentischen mehr als 20.000 Jahre alten prähistorischen Höhlenmalereien beeindruckten nicht nur die Gäste aus Deutschland.

Die Fondetter hatten sich sehr viel Mühe gegeben, die Tour nicht nur mit sportlichen, sondern auch mit kulturellen und kulinarischen Spezialitäten zu versehen. So reihte sich nicht nur ein ausgezeichnetes Dorf an das andere, sondern auch kulinarisch wurde alles geboten, was die Region auszeichnet, insbesondere Gerichte mit Ente. Dabei wurde abends nicht nur Entenbrust, Confit de Canard und Foie Gras serviert, sondern u.a. auch Entenbratwurst kam auf den Tisch.

Nicht zuletzt bleibt die Tour in Erinnerung, weil die Fondetter am letzten Abend eine großartige 25-Jahr-Feier organisiert hatten. Einem vom Fondetter Partnerschaftsverein initiierten Sektempfang folgte ein eigens engagierter Gitarrenspieler, der auf der Hotelterrasse über dem Fluss Célé französische Chansons vortrug. Die Zeit nutzten die Fondetter, um den Gastraum festlich zu dekorieren und am Ende gab es sogar eine von der Hotelküche gebackene Geburtstagstorte zum Nachtisch. Nach dem Austausch der Geschenke seitens der Nauroder endete der Abend herzlichst, im Hinblick auf die anstehende Rückfahrt am nächsten Tag aber nicht zu spät.

Und wie geht es weiter? Natürlich möchten sich alle in zwei Jahren wieder sehen, dann ist es an den Naurodern, den Fondettern eine sportlich, kulinarisch und touristisch attraktive Tour zu bieten. Die ersten Überlegungen gibt es schon, in jedem Fall soll Naurod das Ziel der nächsten Etappenfahrt werden.

Martina Schaad

44. REF 2026-Val du Lot_Gruppenfoto vor Capdenac le Haut